Du bist mein. Wie wunderbar.

Ein langes Wochenende liegt vor uns, Ostern. Ich habe am Donnerstag meinen letzten Arbeitstag (ja, ich bin gerade arbeitssuchend) und meine Nerven liegen blank. Es ist ein seltsamer Abschied in der Arbeit, trotz allem emotional und auch niederschmetternd. Du bist Mittwoch Abend spontan zu mir gekommen, das macht es mir leichter. Ich komme daheim an, bekomme Umarmungen, Nähe, Kaffee und fühle mich gleich besser. Das Wetter ist herrlich und wir haben einen Ausflug geplant, in die Nähe einer sehr schönen Stadt. Dort findet ein Workshop statt „BDSM für Paare“. Das Mentoren-Paar switcht selber, war am Telefon sehr offen, zuvorkommend, humorvoll und hat uns damit einen Großteil der Nervosität genommen. Die anderen Paare kennen wir natürlich nicht, aber wir sind dort ja auch für uns. Ich habe meine Spielzeuge eingepackt und bin völlig begeistert davon, dass ich meinen Flogger endlich mal ausprobieren kann – und dass ich einen Domsen-Koffer habe. Okay. Es ist kein Koffer, es ist ein Rucksack mit Blumen darauf. Aber meine Utensilien passen da rein, also nehme ich ihn mit.

Die Fahrt verläuft unspektakulär, die Übernachtung ist in einem pittoresken Hotel und wir essen nur noch etwas und gehen dann in unser Zimmer. „Sag mal….wann ist eigentlich Ostern?“ frage ich Dich mit einem Lächeln. Wir ärgern uns schon die ganze Woche, das wir eine kleine Oster-Überraschung für den anderen haben. „Hm….. JETZT!“ Deine Neugier siegt. Natürlich. Von Dir bekomme ich wunderschöne Ohrringe, die für mich eine große emotionale Bedeutung haben. Genau deshalb hast Du sie mir ja geschenkt. Danke….

Mein Geschenk für Dich ist ein wenig…. anders. „Mach die Augen zu“ raune ich Dir ins Ohr. Ich greife in meine Tasche und hole etwas heraus. Trete hinter Dich und lege es Dir ganz zart und in vollem Bewusstsein, was das bedeutet, um. Du öffnest die Augen, siehst mich völlig sprachlos an. Küsst mich und ziehst mich dann mit zum Spiegel, um Dein Halsband zu sehen, nicht nur zu spüren. Es ist mit Ketten und einer Lederlasche zum verschließen. Ich trete hinter Dich, hake meinen Finger in die Öse vorne, ziehe daran und lächele Dich im Spiegel an. Du lächelst glücklich zurück und wir verewigen diesen Moment in einem Selfie.

„Du wirst es immer tragen, wenn wir spielen“ sage ich Dir. „Natürlich….. Mylady“ Du siehst mich mit einem Blick an, der mir weiche Knie macht. Deine Hingabe, Deine Liebe, Dein Willen, mir zu dienen, Dein Glück, dass Du dieses Halsband um hast, dass ich es Dir umgelegt habe… all dies spiegelt sich in Deinen so offenen Augen. In diesem Moment verstehe ich vielleicht das erste Mal ansatzweise, was für eine Verantwortung ich – wir – eingegangen sind.

Eine gewisse Zeit später gehen wir schlafen, Du trägst das Halsband immer noch, ich erlaube Dir aber, es abzunehmen, falls es Dich nachts stört. Wir haben viel vor morgen, wir wollen beide fit sein. Das hält uns aber natürlich nicht davon ab, uns morgens wach zu vögeln und die Nähe und die Zeit zu genießen.

Wir fahren zu dem Ort des Seminars, alles wunderbar, zweckmäßig, gemütlich und doch verspielt eingerichtet. Wir bekommen alle erstmal Getränke, stellen uns vor, reden miteinander. Der Workshop besteht aus mehreren Teilen. Es geht um verschiedene Dinge, unter anderem um den Aufbau bzw. Ablauf einer Session. Alle Dinge, die die beiden erklären, sind mir als passiver Part, als Sub des Riggers meines Herzens, geläufig und macht mir – wieder einmal – bewusst, wie viel Glück ich mit ihm habe.

Der zweite Teil ist eher praktischer, wir haben verschiedene Dinge, die wir ausprobieren möchten, auf Zettel geschrieben, jeder für sich. Die beiden Mentoren sortieren ihre Phantasien zueinander, schauen, was vielleicht zusammen passt und reden darüber, wie man das verwirklichen könnte. Es geht nicht gerade ruhig zu, uns allen fallen noch so viele Dinge ein, die wir aufschreiben können und wir inspirieren uns gegenseitig damit. Wir entdecken relativ viele gemeinsame Dinge, die wir austesten wollen und freuen uns sehr daran.

Und dann kommt der praktische Teil, endlich kann ich meinen Flogger austesten. Du stehst vor mir, in Shorts, mit dem Rücken zu mir. Wir haben uns zusätzlich noch ein Paddel und eine Art Ledergürtel ausgeliehen. Ich fange mit dem Flogger vorsichtig an, Dich aufzuwärmen, schlage Dir über die Oberschenkel, den Hintern, den Rücken, die Schultern. Noch hinterlasse ich nicht mal rote Haut. Du windest Dich mir entgegen, schnurrst fast und bittest mich immer wieder, dass ich fester schlagen soll. Noch habe ich Hemmungen, wir kennen beide Deine Grenzen nicht. Aber ich werde langsam fester, Deine Haut rötet sich, Du lässt den Kopf zwischen Deine Arme sinken, stöhnst, keuchst, tanzt für mich. Und bittest um mehr. Ich trete immer wieder nahe an Dich heran, lasse Dich meine Hände spüren, meinen Atem, küsse Deine Haut. Spüre, wie Du abtauchst, wie gut es Dir geht, wie sehr Du mehr willst. Ich stelle mich hinter Dich, meine Beine leicht gespreizt, weiter weg als bisher. Ich taxiere Dich, hole mit dem Flogger aus – und lasse endlich Mylady freien Lauf, hole tief Luft und schlage endlich mit aller Kraft und vollem Schwung zu. Ich stehe hinter Dir, tänzele um Dich herum, schlage mit rechts und links, treffe Dich zwischen Knie und Schulter am ganzen Körper, sehe zu, wie Du erste zarte Striemen bekommst. Variiere die Frequenz, die Stärke, die Stelle an Deinem Körper, berausche mich an Dir – und will mehr.

Ich wechsele zum Paddel, zum Lederriemen, lasse alles auf Deinem Körper tanzen mit einem diabolischen Lächeln, genieße Deine Reaktionen und fühle mich, als hätte ich noch nie etwas anderes gemacht. Immer wieder schenke ich Dir meine Nähe, ziehe Dich an mich. Bis ich spüre, dass Du genug hast für heute und ich bei Dir bin. Ich fange Dich in meinen Armen auf, umarme Dich, halte Dich, wispere Dir ins Ohr, wie stolz Du mich gemacht hast, wie mutig Du warst. Langsam kommst Du wieder zurück, siehst mich staunend an, mit weit offenen Augen. Du ziehst Dich mit schlafwandlerischen Bewegungen an, lehnst Dich an mich, ich stehe neben Dir, Du kniest vor mir und wir genießen diesen Raum, den wir kreiert haben. Ich frage, ob ich Dich kurz alleine lassen kann und hole Dir etwas zu trinken, gebe Dir wieder Nähe, lasse Dir aber auch Raum zum ankommen. Später sitze ich wieder neben Dir, halte Dich im Arm und Du liegst auf meinem Schoß, eingerollt auf einem Kissen und auf mir. Du lächelst die ganze Zeit, hast manchmal die Augen geschlossen, manchmal berührst Du mich, manchmal sagst Du mir etwas. Du geniesst diese unendlichen Weiten, die Wärme des Feuers, das Geräusch der gesprengten Ketten, meine Berührungen, das Brennen Deines Körpers. Du fühlst, wohin der Weg gehen kann, zu was wir beide fähig sind, wie sehr wir miteinander harmonieren und wie umfassend Dein Vertrauen in mich ist. Etwas, was mich erstaunt, ehrt und herausfordert.

Und ich will mehr, will weiter gehen, will tiefer gehen – genau wie Du. Auch ich möchte meiner Bestie freien Lauf lassen. Aber in diesem Fall halte ich sie härter an der Leine. Ich habe die Verantwortung für Dich, das ist Dein Flug. Ich darf auch fliegen, aber ich gleite im Tandem, ich habe Dich auf dem Rücken, stütze Dich, begleite Dich, lasse uns mit Deiner Hilfe in unerwartete Höhen steigen und ganz sanft und langsam wieder landen.

Nach einer kurzen Pause wechseln wir, diesmal bist Du am anderen Ende des Floggers. Du holst Dir noch eine Gerte dazu. Ich liege auf dem Bauch vor Dir, geniesse das aufwärmen mit dem Flogger, Deine stärker werdenden Schläge. Du wechselst zur Gerte, die ich bisher noch nie gespürt habe. Ich liebe Schlaginstrumente, die scharfe Schmerzen bereiten, harte Flogger, Bullwhip, Stöcke… und auch die Gerte. Sie trifft genau die richtigen Stellen, bereitet genau die richtige Sorte Schmerz und Lust, um abzutauchen, mit einen Schrei wieder zurück zu kommen, um dann wieder zu spüren, wie die Lust alles intensiviert. Auch Du fängst mich auf, nimmst mich in die Arme, lässt mich Deine Nähe spüren. Und ich sehe an dem Glitzern in Deinen Augen, dass Dir dieser Part sehr gut gefällt.

Später liegen wir in der Sonne, aneinander gekuschelt, sehr glücklich und erzählen uns, wie es war. Du machst mir so viele wunderbare Komplimente, beteuerst mehrere Male, wie sehr Du mir vertraust, dass Du Mein bist, dass Du hier bist, um mir zu dienen. Ziehst mir ganz selbstverständlich die Schuhe aus, nimmst meine Füße auf Deinen Schoß. Du umsorgst und beglückst mich auf eine Art und Weise, von der ich als Sub noch einiges lernen kann. Und als Deine Domse bin ich stolz auf Dich. Du hast mich sehr glücklich gemacht an diesem Wochenende und ich freue mich so sehr auf die weitere Reise mit Dir.

5 Kommentare

  1. Du hast so wunderbar beschrieben, was euch beide so begeistert an eurem Spiel, euren gemeinsamen Erfahrungen, ich kann das gut nachfühlen. Danke!
    Ich wünsche Dir und euch noch viele wunderbare, gemeinsame Erlebnisse. ❤️

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