Be a Lady – über Sex Positivity und Heuchelei

Sehr guter und reflektierter Artikel über das Gedicht „Be a Lady, They Said“

https://www.jetzt.de/gender/be-a-lady-video-von-girls-girls-girls-zeigt-welche-ansprueche-die-welt-an-frauen-hat

Zitat:

„Das Video ist professionell produziert, es ist stark, es zieht einen rein, es funktioniert, das zeigt sein Erfolg. Ein bisschen weh tut beim Zusehen dennoch, dass fast alle Frauen im Video aussehen wie Topmodels und all die Forderungen verkörpern, die Cynthia Nixons Stimme anprangert: schlank, perfekt geschminkt und wunderschön.

Dennoch ist der Clip wichtig, das zeigt allein die Resonanz, die er hervorruft. „

Ich kenne fast jeden dieser Sätze und ich bin mir sicher, dass es vielen (oder vielleicht sogar allen?) Frauen auch so geht. Wir leben im Jahr 2020, angeblich selbstbestimmt und selbstbewusst, wir können theoretisch werden, was wir wollen, haben die freie Wahl, wo und wie wir leben wollen.

Ich sage angeblich, weil ich genau so wie jede Frau weiß, dass das leider immer noch nicht stimmt. Als Frau muss sich immer noch viel mehr sagen und fragen lassen, auch und gerade von Fremden. Menschen, die einem nahestehen, kommen nämlich meist gar nicht auf die Idee, solche übergriffigen Fragen zu stellen. Mein großes Glück ist mein „Rudel“, sie wissen von meinem Lebensstil, sind selber meist eher alternativ und / oder zumindest sehr offen, was das angeht. Das macht es sehr viel leichter für mich, ich bin ein Mensch, der sich gerne mitteilt.

Und manchmal findet man solche Oasen auch: Es gibt sexpositive Räume und Events, die ich sehr gerne mag. Für mich ist Twitter auch eine solche Oase, in meiner Bubble sind fast nur Menschen, die tolerant, offen und respektvoll sind.

Eine Zeitlang dachte ich, dass der Joyclub auch eine solche Adresse ist. Eine Seite, auf der man verschiedene Gruppen und Forenthemen findet, auf der BDSM genauso gesucht werden kann wie Vanilla-Sex, Unverbindlichkeit genauso wie eine monogame Beziehung. Am Anfang war ich ziemlich begeistert und auch viel in den Foren und Gruppen unterwegs. Für mich war das eine Möglichkeit, neues zu lernen, zu diskutieren, meinen Horizont zu erweitern. Für viele Männer war es leider eine Möglichkeit, mir ungefragt zu schreiben. Ich meine damit nicht höfliche und an mir interessierte Anfragen, sondern das übliche „Fick mich“, ungefragte Schwanzbilder, unhöfliche und unverschämte Konter, wenn ich immer wieder Nein sagte. Ich bin kein Mensch, der gerne aggressiv oder unhöflich wird, ich bin auch niemand, der gerne andere blockiert. Und doch habe ich das auf Joy mit der Zeit lernen müssen. Leider lässt einen der Kundenservice dort sehr alleine mit diesen Übergrifflichkeiten und Beleidigungen – und das ist bei mir leider kein Einzelfall. Sämtliche Frauen, die ein Profil dort haben, machten diese Erfahrungen. Ich habe für mich deshalb beschlossen, dass ich kein zahlendes Mitglied mehr bin, ich unterstütze diesen Seximus nicht länger. So weit, so gut? Nein, nicht wirklich, aber es ist nun mal leider so, dass die Events dort sehr gut und übersichtlich sortiert sind.

Und dann kam etwas, was ich zuerst nicht glauben konnte: https://www.joyclub.de/magazin/sex/was_maenner_bei_einem_sex_date_wirklich_wollen.html

Ein humorvoller Artikel über Sex bei einem Date. Ich las ihn. Einmal, zweimal, dreimal…. und merkte, dass ich jedesmal wütender wurde. Da ist also eine Plattform, die sich sexpositiv nennt und dann einen Artikel bringt, der so geschrieben ist? Der uralte Vorurteile durchlutscht, der findet, dass man mit dem Herziehen über Ängsten und Unsicherheiten bestimmt mehr Leser bekommt als mit Fakten und hilfreichen Tipps? Es gibt Frauen, die genau so sind, wie in dem Artikel beschrieben, ja.

Ich wollte eigentlich Punkt für Punkt durchgehen, merke aber, dass ich dafür zu wütend bin, daher kommt ein allgemeiner Rant:

„Die Schlampen-Panik“ und „Die Hinhalte-Taktik“ Hat irgendwer da draußen noch nicht gehört, wie sich die meisten Männer darüber auslassen, dass Frauen, die leicht zu haben sind, Schlampen sind? Hat sich das irgendeine Frau noch nicht gefragt? Abgesehen davon gibt es genug Frauen, die nicht beim ersten Date Sex haben wollen (ich zum Beispiel).

Ich kann genau die Unterwäsche anziehen, in der ICH mich sexy fühle, genau darum geht es MIR nämlich. Wenn mein Sexpartner das so unsexy findet, dass er mich deswegen nicht vögeln möchte, dann wünsche ich ihm ein schönes Leben. Wenn er „komplizierte“ Unterwäsche nicht aufbekommt, kann man das sogar selber machen. Ganz neues Konzept…

Und natürlich müssen wir Frauen den Körper und den Schwanz des Mannes immer huldigen. Unsere Unsicherheiten dagegen sind unwichtig. Hauptsache ficken, richtig?

Egal, welche Punkte in dem Artikel angesprochen wurden, es ging dem Autor dabei darum, sich möglichst stillos über die Unsicherheiten und Ängste der Frauen lustig zu machen. Für mich hat das weder etwas mit Humor, noch mit Satire oder Ironie zu tun, da kann ich noch so viele Zwinkersmileys in den Titel setzen.

Viele von uns sind inzwischen so emanzipiert, dass sie zu ihrer Sexualität und ihrer Lust stehen und über solche Statements lachen können. Aber viele sind es eben noch nicht. Hat damit jemand das Recht, das lustig zu finden? Das so gnadenlos und widerlich ans Licht zu zerren und gleichzeitig außer Acht zu lassen, dass auch Männer genau zu diesen Unsicherheiten beitragen?

Wisst ihr Männer eigentlich, wie oft man uns Frauen als zu viel oder zu wenig bezeichnet, behandelt, abkanzelt? Ich weiß, dass nicht alle Männer so sind, aber leider viel zu viele. Wir bekommen von klein auf eingetrichtert, wie wir sein sollen, sich verhalten sollen, kleiden sollen usw (dazu empfehle ich nochmals das Video von oben).

Es war und ist für mich ein verdammt langer, harter und steiniger Weg, mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Mit allen Macken, Lüsten, Unsicherheiten, seelischen und körperlichen Problemen.

Deshalb ein ganz klares Statement: Joy? you suck.

2 Kommentare

  1. 1. das Video ist richtig gut!

    2. dieser Artikel vom Joy-Club ist sowas von daneben, dass ich kotzen könnt. Ich meine, wer ist der Autor, dass er denkt, er müsse für alle Männer? Ist das das männliche Pendant zu Ophelia?

    3. jede Frau sollte sich so nehmen, wie sie ist. Es ist einzig und alleine ihre Entscheidung, wie sie aussehen möchte. Und nur dann, wenn eine Frau an sich selbst, ohne äußere Beeinflussung, etwas ändern möchte, dann ist es gut. Mir geht es ganz oft so, dass ich Frauen sehe, die vielleicht nicht dem allgemeinen Schönheitsideal entsprechen, ich sie aber unglaublich schön finde. Und in der Regel sind das Frauen, die keine Modelmaße haben, ungeschminkt und einfach natürlich schön schön sind.

    Also, liebe Frauen, lasst euch nicht einreden, wie ihr zu sein habt und was Schönheit ist. Ihr seit gut, so wie ihr seit.

    So, dass war die Meinung eines Schwulen 😘

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