Chronisches Erschöpfungs-Syndrom – CFS

Nein, heute mal kein kinky Beitrag, nichts über Sex, nichts über Yoga, nichts über die sonstigen Themen, die hier oft sind. Heute geht es um etwas, was mich schon lange begleitet und wobei ich trotz allem noch sehr viel Glück hatte: Das chronische Erschöpfungs-Syndrom, CFS (Chronical Fatigue Syndrom). Wahrscheinlich kam es bei mir nach 2-3 Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus, auch bekannt als Pfeiffersches Drüsenfieber. Die meisten haben das, sehr viele merken es gar nicht, einige eben schon. Zu denen gehörte ich und leider kommt dieses Mistviech bei mir auch immer wieder – nicht immer als Infekt, sondern als CFS. Das Gefühl dabei ist absolut widerlich: Es geht mir nicht total schlecht, aber auch nicht gut. Ich friere mehr, ich bin erschöpft, schlafe viel, die Depressionen werden manchmal stärker, beim jeglichem Training fühlt es sich an, als könnte ich keine Leistung mehr bringen. Aber so richtig richtig schlecht geht es mir eben auch nur selten. Da habe ich noch richtig Glück, andere hat es damit so schlimm erwischt, dass sie das Haus nicht mehr verlassen können. Schulmedizinisch und auch wissenschaftlich ist noch nicht besonders viel darüber bekannt, leider gibt es auch keinen Blut-oder sonstigen Test, mit dem man es nachweisen kann. Und so gelten wir oft als Drückeberger, Simulanten und Hypochonder. Ein Arzt meinte mal zu mir, dass ich wohl zu sensibel wäre und doch eine Therapie machen sollte (dass das nicht hilft, IST übrigens erforscht…). Auch dabei hatte ich wiederum sehr viel Glück: Meine damalige Hausärztin stellte die Diagnose und nahm mich auch gleich genauer unter die Lupe, es wurden einige andere Infektionskrankheiten ausgeschlossen. Sie meinte damals auch zu mir, dass ich zu einem Heilpraktiker gehen sollte, sie könne da nicht mehr machen, außer mir zu Vitaminen zu raten. Genau dies tat ich auch und hatte das Glück, an eine sehr gute Heilpraktikerin zu geraten. Ich habe fast drei Jahre gebraucht, um dieses Mistviech zu besiegen. Drei Jahre, in denen mein Sportprogramm auf ein Minimum herunter ging bis nicht mehr existent war (aber dafür habe ich damals Yoga entdeckt!). Jahre, in denen ich immer wieder erkältet war, viel mehr und viel schneller als alle anderen. Jahre, in denen ich zum Glück eine gute Chefin hatte, die mir eine 4-Tage-Woche vorschlug. Jahre, in denen ich zum Spezialisten für mich selber wurde und ein ganz neues Körpergefühl entwickelte. Jahre, in denen ich meine Grenzen so krass vorgesetzt bekam wie noch nie zuvor – mit Ende 20 nicht gerade das, was man sich wünscht. Jahre, in denen ich lernen musste, auf mich zu hören, meine Energie zu kanalisieren, auch mal Pausen zu machen und zu rasten. Ich war manchmal verzweifelt, weil ich dachte, dass ich da nie wieder heraus komme – aber ich bin es. Ich kannte mich danach besser, ernährte mich besser und passte mehr auf mich auf.

Über 10 Jahre später also, die nächste Phase: Daheim, Depression, Borderline – aber endlich auf dem aufsteigenden Ast. Bis ich Anfang September einen fiesen Husten hatte und danach ging es einfach nicht aufwärts. Wieder mal CFS, wieder mal sehr häufige Infekte, wieder mal Erschöpfung, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen, Knochenschmerzen. Wieder mal Hoffnungslosigkeit, weil es sich endlich anfühlt. Aber auch: Wieder mal eine gute Heilpraktikerin, wieder mal hören auf und in mich, wieder mal die Chance, neu anzufangen.

Die Wissenschaft ist inzwischen ein bisschen weiter, wenn auch nicht sehr viel. Das wird sich wahrscheinlich bald ändern müssen: Eine von 4 Personen, die an Corona erkrankt war, bekommen CFS.

Warum ich hier einen Roman über etwas schreibe, was jeder im Internet recherchieren kann? Weil ich das Bewusstsein dafür wecken möchte. Wenn ihr selber oder jemand aus eurem Umkreis diese Symptome hat – es kann eine Depression sein, es kann aber auch CFS sein. Ich habe wochenlang gegrübelt und war verzweifelt, weil ich dachte, dass es meine Dämonen wären, die mich so lähmen. Es macht es nicht unbedingt soviel besser, dass das Viren sind – aber dagegen kann ich ganz anders ankämpfen. Ich habe zum Glück ein Umfeld, das Verständnis dafür hat. Alleine in den letzten zwei Wochen habe ich die Beerdigung eines lieben Menschen, einige Telefonate mit Freundinnen, einen Abend mit einer Freundin und ein Yoga-Wochenende verpasst. Aber alle haben es verstanden und wissen, dass ich mich gerade zurücknehmen muss, wenn ich nicht länger krank sein will. Wissen, dass ich zwischendurch auch wieder gute Phasen habe, in denen ich im Garten herumdüse, Yoga mache, kreative Ausbrüche habe, total hyperaktiv bin, sogar laufen gehe – aber ich passe trotzdem auf mich auf, mache langsam und weniger als früher. Ich achte mich und auf mich. Und das habe ich erst durch das CFS wirklich gelernt.

Danke dafür.

P.S.: Fragen oder Kommentare zu meiner Diagnose und / oder Behandlung könnt ihr mir gerne stellen – das ersetzt aber natürlich keine ärztliche Beratung!

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